Säuglingstaufe oder Bekehrtentaufe? – ein sachlicher Austausch

Zu meiner Taufschrift (Orientierung Nr. 10 „Die biblische Taufe – Säuglingstaufe oder Bekehrtentaufe?“) erhielt ich von Bruder Uwe Stötzel eine längere Antwort. Er wollte sie als Word-Dokument in „Kurz bemerkt“ einstellen, was nicht funktioniert. Deshalb hat er sie mir zugeschickt. Ich veröffentliche seine Gedanken hier in einem Beitrag, da sich ein so langer Text als Kommentar schlecht liest, und füge meine Anmerkungen dazu zur besseren Übersicht kursiv-fett hervorgehoben gleich mit ein.

 

Lieber Bruder Tscharntke,

mit Interesse habe ich Ihre Orientierungsschrift zum Thema „Die biblische Taufe – Säuglingstaufe oder Bekehrtentaufe“ gelesen (allerdings nur bis Seite 16 – ich gehe davon aus, dass das Folgende auf den Grundlagen fußt, wie sie bis hierher dargelegt wurden) und möchte gerne darauf reagieren, allerdings nur auf Inhalte der ersten 7 Kapitel, und im Wesentlichen zu diesem. Wie Sie mehrfach betonen, will auch ich nicht streiten, sondern möglichst sachlich auf das eine und andere eingehen.

Lieber Bruder Stötzel,

zunächst ganz herzlichen Dank für den brüderlichen Stil Ihres Kommentars. Ob man allerdings wirklich alles Wesentliche begriffen hat, wenn man nur die Hälfte liest, ist natürlich schon eine Frage.

Zunächst darf ich sagen, dass Ihre Ausführungen meine frühere Haltung bestätigen. Ich komme aus einer sog. „exklusiven“ Brüdergemeinde, und dort war zumindest damals in den mir bekannten Gemeinden eine strikt taufgesinnte Haltung eher die Regel. Mit „damals“ meine ich die Zeit etwa in den 80er bis Mitte 90er Jahre. Danach ging ich dort weg, und seitdem habe ich den Trend nicht weiterverfolgt.  Doch es gab damals besonders unter der jüngeren Generation, aber auch vereinzelt unter älteren Geschwistern solche, die der Säuglingstaufe zuneigten. J.N. Darby selbst war ja auch bis zu seinem Lebensende davon überzeugt, während andere seiner Zeitgenossen und ebenfalls hochbegabte Ausleger das anders sahen. Nun, ich gehörte damals zu denjenigen, die zwar die Säuglingstaufe nicht unbedingt befürworteten (obwohl das zeitweise auch der Fall war, aber nicht konstant), aber auf jeden Fall duldeten, etwa in dem Sinn, wie Sie das schreiben. Also wenn jemand wirklich gläubig war und diese Taufe für sich persönlich anerkannte, wurde das akzeptiert. Doch auch die Übrigen versuchten, diese Frage nicht zum Streitpunkt werden zu lassen, weil man dort gottseidank – im Gegensatz zu anderen Themen – verstanden hatte – eben wie Sie das auch sagen – dass das Thema diesen Stellenwert nicht hat, doch trotzdem zumindest seit der Reformation unnötigerweise für härteste Konflikte gesorgt hat.

Aktuell bin ich in einer Gemeinde, die das strikter sieht, und ich bin zwischenzeitlich auch wieder mehr nach dieser Seite geneigt. Doch Ihre Ausführung haben bei mir letztlich die „alten“ Gedanken wieder aufleben lassen und regelrecht bestätigt.

Nun zu meinen sachlichen Bemerkungen.

Den Punkt, die Taufe sei nach dem Verständnis der taufgesinnten Gläubigen ein „Gehorsamsakt“, verstehe ich so: Gläubige zu taufen ist ein Befehl. Der Gehorsamsakt seitens der gläubig Gewordenen besteht nun in der Bereitwilligkeit, sich taufen zu lassen. Oder etwas weiter gehend in dem Wunsch, getauft zu werden, da auch dieser letztlich der Belehrung entspringt, dass die Taufe auf die Annahme des Evangeliums, auf die Bekehrung folgt und der Herr es befohlen hat. Also nicht der Taufakt selbst ist für den Täufling der „Gehorsamsakt“, sondern im Vorfeld die Bereitwilligkeit dazu oder – noch besser – der Wunsch.

Das ist schon richtig. Genauso habe ich es selbst in der Taufschrift dargelegt. Das macht den Gehorsamsakt allerdings damit eben keineswegs zum primären und wesentlichen Merkmal der Taufe!

Weiter zu den Punkten, die der reformatorischen Sicht entsprechen. Wenn ich es richtig sehe, sind es hauptsächlich 3 Punkte:

Nicht ganz, der Rest kommt ab Seite 17. Daß Sie bei Seite 16 mit lesen aufgehört haben, rächt sich hier eindeutig. Die Auswahl dieser drei Punkte und die darauf wesentlich beschränkte Wahrnehmung führen bei Ihnen zu dem schwerwiegenden Mißverständnis, dem Sie in der Folge aufgesessen sind. Aufgrund der Reduktion meiner Ausführungen auf die folgend von Ihnen zusammengefaßten Punkte: Wo der Name Gottes ist, muß Kraft da sein – Gott ist in der Taufe der Handelnde – die Taufe ist das Bad der Wiedergeburt – schlußfolgern sie messerscharf aber komplett an meinen Ausführungen und meiner Überzeugung vorbei, daß ich im Grunde eine geistliche Wiedergeburt durch den bloßen Vollzug der Taufe lehre. Nichts könnte meiner Überzeugung ferner liegen! Ihre folgenden Argumente dürften nun wesentlich motiviert sein, so nehme ich es jedenfalls wahr, die mir unterstellte „Taufwiedergeburtslehre“ abzuwehren. Tatsächlich dürften wir, wenn ich Sie richtig verstanden habe, in der Sache ganz nah beieinander sein.

  1. Der Taufbefehl besagt, es soll „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ getauft werden. „Das heißt, Gott hat seinen Namen in die Taufe hineingegeben. Wo der Name Gottes ist, … muss Kraft da sein.“ (Ihr Zitat nach Luther)
  2. Aus der Taufe Jesu, wie sie etwa in Mt 3 berichtet wird, wird klar, dass Gott der Handelnde ist.
  3. Die Taufe ist das „Bad der Wiedergeburt“ nach Tit 3,4-5 und von da ausgehend weiteren Texten.

Ich gebe zu, dass ich das so zum ersten Mal gehört bzw. gelesen habe. Ich fand es hoch interessant, mal die Hauptargumente zu erfahren. Dazu fiel mir fast spontan einiges ein. Wohl auch, weil ich manches davon früher schon gehört hatte.

Zu 1.: Als ich diese Begründung las, musste ich sofort an 1Kor 10,2 denken. Dort steht, dass die Israeliten bei dem Durchzug durch das Rote Meer und durch die Wolke „auf Mose getauft wurden“. Hier kommt auch der Begriff vor „auf … getauft“. Nun ist es ja interessant, dass der Apostel Paulus dieses Ereignis als allegorisches Bild für die Taufe sieht. Zugleich erkennt man daran m.E. recht gut, was gemeint ist. „Auf Mose getauft“ bedeutete, dass Mose offiziell der Führer Israels durch die Wüste sein sollte und das Volk Israel ihm folgen sollte. Die NT-Parallele ist eindeutig: Wir werden im Grunde auf Jesus Christus getauft. Durch die Taufe werden wir offiziell in seine Nachfolge gestellt. Die Wolke symbolisierte damals Gottes Herrlichkeit. Das entspricht „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, wobei auch in Christus selbst „die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt“ (Kol 2,9). Das ist interessant, da dort auch 3 Verse weiter die Taufe erwähnt wird. Das vertiefe ich hier aber nicht weiter.

Der Punkt ist: „Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ macht die Taufe an sich nicht zu einem Akt, in dem Gottes Kraft wirksam wird. Es bedeutet schlicht, dass offiziell bezeugt wird, dass unser Leben nun eine andere Richtung hat durch die Bekehrung. Ab jetzt ist offiziell Gott und Jesus unser „Führer“. Wir folgen ihm nach. Es tut mir Leid, aber auf Grund dieser Parallele kann ich nicht mehr darin sehen. Mehr ist reformatorische Interpretation. „Gott hat seinen Namen in die Taufe hineingegeben“ ist bereits eine Formulierung, die suggeriert, das Taufwasser oder der Taufvorgang würde sozusagen mit dem großen Namen Gottes „angereichert“. Aber das ist schlicht Interpretation, da steht da so nicht. Genauso die daraus resultierende Folgerung: „Wo der Name Gottes ist, … muss Kraft sein.“ Wie gesagt: Das steht da so nicht; es wird hineininterpretiert. Könnte das vielleicht noch ein katholisches Relikt sein („geweihtes Wasser“)? Ich habe absoluten Respekt vor Martin Luther als Mann Gottes. Doch auch er war sicherlich nicht vollkommen in seinen Auslegungen.

Aufgrund des oben schon angeführten Mißverständnisses interpretieren Sie nun Dinge in meine Ausführungen hinein, die völlig an meiner Argumentation und Überzeugung vorbeigehen. Die Aussage Luthers, daß Gottes Wort sich in der Taufe mit dem Wasser verbindet, beschränkt sich keineswegs auf die Worte des Taufbefehls, sondern bezieht sich insgesamt auf die Gebote und Verheißungen Gottes, unter die der Täufling mit der Taufe gestellt wird. Und es meint keineswegs, daß damit die Taufe automatisch zum Heil des Täuflings wirken würde. Heil wirkt Gottes Wort immer nur dort, wo es im Glauben angenommen wird. Und weder ich noch Martin Luther sind der Meinung, daß die Taufe automatisch Glauben wirken würde. Dieser Irrglaube ist zwar eine leider im sogenannten „Luthertum“ weitverbreitete aber um so katastrophalere Fehlentwicklung! Schon allein die Massen ungläubiger sowohl als Säuglinge wie auch als „Glaubende“ Getaufter beweist eindrücklich, daß die Taufe selbst keinen Glauben und kein Heil wirkt! Von magischen Vorstellungen wie „geweihtes Wasser“ sind sowohl Martin Luther als auch ich meilenweit entfernt. Ich warne permanent vor einem magischen Mißverständnis der Taufe, und das schon seit Beginn meines Pfarrdienstes vor 34 Jahren! Leider ist nach meiner Erfahrung das Taufverständnis in taufgesinnten Kreisen häufig kaum weniger magisch als in  vielen sogenannten Lutherischen Kirchen. Ich staune immer wieder, was für Wirkungen sich taufgesinnte Christen von der Taufe versprechen, insbesondere wenn die Taufe im Jordan stattfindet, möglichst an der Stelle, an der Johannes getauft hat. Da Gottes Wort und Handeln, wo es nicht im Glauben angenommen wird und zur Umkehr führt, Fluch und Gericht wirkt, kann es gerade nicht heilsam, sondern gerichtbringend sein, Menschen leichtfertig zu taufen, ganz gleich ob als Säuglinge oder als „Glaubende“.

Zu 2.: Die Taufe Jesu lt. Mt 3,13-17 war offenkundig ein sehr spezielles Ereignis. Ein oder sogar DER Hauptpunkt ist, dass Jesus es nicht nötig gehabt hätte, getauft zu werden, da er niemals umkehren musste. Dieser Punkt wird ja in den wenigen Versen ausdrücklich hervorgehoben! Will man hieraus allgemeinere Grundsätze ableiten, so müsste man freilich grundsätzlich von bereits von Neuem geborenen Menschen ausgehen. Dann müssten wir aber über die Säuglingstaufe nicht mehr reden, nicht wahr? Darüber hinaus fand diese Taufe erst zu Beginn seines Dienstes statt, als er etwa 30 Jahre alt war (Lk 3,23) und nicht etwa schon bei seiner Beschneidung. Es war seine bewusste Entscheidung, das zu tun; mehr noch, es war sein ausdrücklicher Wunsch. Wenn man wirklich Aspekte dieses Taufereignisses verallgemeinern kann, ist es dann nicht gerade dieser Punkt? Ist es andererseits nicht grotesk: Wenn die Beschneidung das Gegenstück zur Säuglingstaufe ist, wäre Jesus doch 2 x „getauft“ worden, nicht wahr? Einmal bei der Beschneidung und noch einmal auf Grund seines eigenen Wunsches vor seinem öffentlichen Dienstantritt.

Soweit ich die Taufe Jesu verstehe, mußte er sehr wohl getauft werden, „denn es ist uns so angemessen, um alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ (Matthäus 3,15). Das sagt Jesus selbst. Warum es so sein soll, sagt er nicht. Nach meinem Verständnis stellt sich Jesus in der Taufe unter unsere Sünde und nimmt diese auf sich. Er macht sich damit für uns zum Sündenbock. Genau darauf weist das Wort Johannes des Täufers hin: „Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegträgt“ (Johannes 1,29). Daß die Taufe eine offenkundige Parallelität als Bundeszeichen zur Beschneidung hat, läßt doch keinesfalls die Schlußfolgerung zu, daß die Taufe eine bloße Wiederholung und zweite Beschneidung wäre! Diesen Gedanken halte ich für absurd.

Generell gingen die Leute ja zu Johannes, um sich taufen zu lassen, weil sie seinem Ruf folgten. Man kann schon sagen, dass sie in diesem Punkt „gehorsam“ waren, oder? Doch Jesus folgte nicht diesem Ruf, da er nicht angesprochen war, sondern vielmehr der Auftraggeber von Johannes. Trotzdem wollte er aus freien Stücken sich ebenfalls dieser „Taufe zur Buße“ unterziehen. Das heißt, er erniedrigte sich selbst und machte sich mit seinem Volk eins! Das war m.E. der Punkt.

Wie Sie richtig schreiben, lesen wir nichts davon, dass Jesus während des Taufvorgangs irgendetwas gesagt hätte. Ihr Argument ist, dass Gott das jedoch tat, und dies sei nun der entscheidende Hinweis, dass er damals der Handelnde gewesen wäre und so also auch grundsätzlich bei einer biblischen Taufe. Nur: Hatte seine Aussage wirklich etwas mit dieser Taufe an sich zu tun? M.E. nein! Was drückte er aus mit „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“? M.E. zweierlei:

Hierfür ist wieder wichtig, dass Jesus eigentlich nicht hätte getauft werden müssen. Er verhielt sich jedoch bewusst, als ob er auch einer von denen wäre, zu denen er gesandt war, die das nötig hatten.

Doch sein Vater ließ das insoweit nicht gelten, als er klar machte, dass das eben sein geliebter Sohn war, nicht ein x-beliebiger Mensch, der „Buße tun“, „umkehren“ musste. Zweitens drückte er sein ausdrückliches Gefallen und seine große Freude über seinen Sohn wegen dieser Handlung aus. Es bereitete ihm große Freude, wie sein Sohn sich da verhielt, indem er sich so demütig selbst erniedrigte. Dass sein Ausruf irgendetwas mit dem Taufvorgang selbst zu tun hatte, kann ich jedoch nicht erkennen, wie gesagt. Schon gar nicht, dass das allgemein für jede Taufe auf seinen Namen gilt. Dafür ist dieses Ereignis zu speziell bei Jesus, dem Sohn Gottes. Wenn das die Begründung dafür ist, Gott sei der Handelnde bei der Taufe, dann muss ich sagen: „Das stimmt nicht. Die Schrift sagt nirgendwo, dass in der Taufe Gott handelt.“

Hier gilt das oben bereits Gesagte: Weil Sie Ihre Wahrnehmung aufgrund unvollständigen Lesens meiner Taufschrift auf wenige Punkte verkürzt haben, ziehen Sie falsche Schlußfolgerungen. Meine Überzeugung, daß Gott in der Taufe handelt und nicht der Täufling, gründet nicht wesentlich in der Taufe Jesu, sie ist nur ein kleines Beispiel, sondern vor allem darin, daß die Taufe passiv empfangen wird. Das ist ein wesentliches Kennzeichen der Taufe. Wenn der Täufling die Taufe aber wesensmäßig passiv empfängt, kann er dabei nicht wesensmäßig der aktiv Handelnde sein! Das schließt sich logisch zwangsläufig aus! Der Handelnde ist Gott. Das habe ich im Weiteren ausgeführt im Abschnitt über die Taufe als „Bad der Wiedergeburt“, den Sie leider aus oben genannten Gründen völlig falsch interpretiert haben.

Zu 3.: Nein, die Taufe ist nicht das Bad der Wiedergeburt! Das steht in diesen Stellen nicht! Entschuldigung, dass ich hier gleich mit der Tür ins Haus falle.

Lieber Bruder Stötzel, meiner Überzeugung nach ist die Taufe ganz gewiß das „Bad der Wiedergeburt“. Aber nicht in dem Sinne, in dem es häufig magisch mißverstanden wird, daß die Taufe die Wiedergeburt durch ihren bloßen Vollzug wirke. Vielmehr in dem Sinne, daß die Taufe die Wiedergeburt symbolisch darstellt. Daß sie das tut, kann eigentlich von niemandem bezweifelt werden. Denn genauso sagt es beispielsweise Römer 6,3 folgende. Daß wir nämlich durch die Taufe in Christus Jesus in seinen Tod hineingetauft worden sind und durch den Glauben wie Christus von den Toten auferweckt werden = Wiedergeburt. Selbstverständlich ist also die Taufe das Bad der Wiedergeburt! Aber im genannten Sinne. Indem aber die Taufe die Wiedergeburt symbolisch darstellt – der Täufling wird untergetaucht, ersäuft symbolisch im Taufwasser, und steigt als in Christus Wiedergeborener aus dem Taufwasser wieder heraus – und die Wiedergeburt durch Wort und Geist aber Gottes Handeln ist und nicht Handeln des Menschen, deshalb ist auch der in der Taufe Handelnde Gott und nicht der Mensch. Das und nichts anderes ist der Sinn meiner Ausführungen zum Stichwort „Taufe – das Bad der Wiedergeburt“. Und das ist zugleich das zweite wichtige Argument neben dem wesensmäßig passiven Empfang der Taufe, weshalb ich es als biblisch absolut erwiesen betrachte, daß keinesfalls der Täufling der in der Taufe Handelnde sein kann.

Begründung: Sie selbst führen etliche Texte an, die eindeutig sagen, dass „das Wort der Wahrheit“ oder „das lebendige Wort Gottes“ diese Erneuerung bewirkt. Vielleicht zeigt es der Text mit der Fußwaschung am deutlichsten. Sie erwähnen diese allerdings hier nicht, sondern nur etwas früher i.V.m. der Frage, wieviel Wasser nötig ist. Ich habe verstanden, dass Sie die Fußwaschung nicht als Taufe verstehen. Da sind wir uns einig. Mir geht es darum, was das „Bad“ oder „Wasserbad“ bedeutet. Jesus sagte ja zu Petrus, dass es nicht nötig wäre, auch Kopf und Hände zu waschen, da er wie auch die anderen ja schon „gebadet“ und somit rein wären, bis auf die Füße durch den unvermeidlichen Kontakt mit dem Staub der Wege und Straßen, also übertragen mit der Welt. Das „Bad“, das die grundsätzliche Reinigung bewirkt hatte, war also offenbar nicht die Fußwaschung. Es musste vorher geschehen sein. Wann und wie? Etwas später sagte der Herr: „Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.“ (15,3) (Man fragt sich unwillkürlich, ob dieser Satz nicht versehentlich hierher „gerutscht“ ist und eigentlich in den Kontext von 13,10 gehört. Aber das Problem war wohl, das Judas noch dabei war, auf den das nicht zutraf. Deshalb sagt der Herr das erst später, nachdem er weg war.) Das heißt also, dass dieses „Wasserbad“, das die Jünger grundsätzlich rein gemacht hatte, sodass jetzt nur noch die Füße sauber gemacht werden mussten, um für die Gemeinschaft mit dem Herrn passend zu sein, einzig und allein durch das Wort des Herrn geschah bzw. schon geschehen war. Das Wort des Herrn hat diese reinigende Wirkung, wenn wir uns ihm aussetzen. Die Handlung der Fußwaschung hatte also auch mit diesem Bad nichts zu tun; deshalb trägt diese Stelle auch nichts zu der Frage nach der Wassermenge anlässlich der Taufe oder allgemein einem biblischen „Bad“ bei. (Letzteres nur am Rande.)

Ich bin sehr wohl der Überzeugung, daß die Fußwaschung im Blick auf die Menge des verwendeten Wassers Rückschlüsse auch für die Taufe zuläßt. Denn in beiden Fällen handelt es sich um symbolische Handlungen, wie Sie im Blick auf die Fußwaschung selbst richtig schreiben, deren Wirkung aber eben nicht durch das verwendete Wasser, sondern durch Wort und Geist geschehen. Deshalb kann die Menge des verwendeten Wassers weder bei der Fußwaschung noch bei der Taufe bezüglich Wirkung und Gültigkeit von Bedeutung sein! Im Grunde schreiben Sie das in den folgenden Zeilen ja selbst genauso. Hier stimmen wir, soweit ich sehe, mehr oder weniger vollständig überein.

Das ist auch m.E. exakt die Aussage von Eph 5,26. Nicht umgekehrt deutet das auf die reinigende Wirkung der Taufe hin, sondern der Text betont gerade die reinigende Wirkung des Wortes, das wie ein Wasserbad wirkt analog der rituellen Reinigungsbäder, etwa bevor man den Tempel betreten durfte oder auch analog der Vorschrift, dass die Priester sich stets vorher im kupfernen Waschbecken reinigen mussten, bevor sie ins Heiligtum eintraten. Das ist der Ansatz! M.E. Sie drehen das um (bzw. die reformatorische Lehre tut das), so als ob klar wäre, dass in Tit 3 von der Taufe die Rede wäre und somit dieser und andere ähnliche Texte die Wirkung der Taufe beschreiben würden. Ja, in Verbindung mit dem Wort, betonen Sie, aber doch bei der Taufhandlung. Das soll gerade diese „Kraft Gottes“ in der Taufe bzw. „sein Handeln“ darin sein, wenn ich es richtig verstehe.

Siehe oben zum Stichwort „Taufe – Bad der Wiedergeburt“ – hier liegt ein grundlegendes Mißverständnis vor, sowohl was meine als auch die reformatorische Lehre betrifft! Das gilt auch für Ihre weiteren Ausführungen!

Nein, es ist gerade anders herum: Die Texte sagen, dass das Wort, und das Wort allein bzw. in Verbindung mit dem Heiligen Geist, diese grundlegende Wirkung tut und die Seelen reinigt, wenn man es annimmt und ihm glaubt.

Ich stimme Ihnen hier zu 100% zu! Die Taufe wirkt das nicht, sondern bildet das ab! Wort und Geist sind die wirkenden Kräfte! Daß Gottes Wort und damit sein Wirken in der Taufe sind, verstehen weder die Reformatoren noch ich so, daß es automatisch Glauben und Heil wirken würde – wie oben schon betont. Ich weise bei dieser Gelegenheit auf meine klare diesbezügliche Aussage auf Seite 7 oben hin unter dem Stichwort „Der volkskirchliche Mißbrauch der Taufe“:

Tatsächlich herrscht in den evangelischen Landeskirchen sowohl bei großen Teilen der Gemeindeglieder wie auch der Pfarrer die Meinung, die Taufe wirke durch ihren bloßen Vollzug, daß aus einem gottlosen Heiden ein Christ und Gotteskind werde. Ein solches Verständnis der Taufe ist weder biblisch noch evangelisch.

Ich war der Meinung, damit die sogenannte „Taufwiedergeburtslehre“ in genügender Eindeutigkeit zurückgewiesen zu haben. Anscheinend ist dem nicht so. Deshalb betone ich das hier mehrfach und in aller Entschiedenheit. Daß eine Taufe, in der Gottes Wort ist, nicht wirkungslos sein kann, weil Gottes Wort immer wirksame Macht ist, steht dazu nicht im Widerspruch. Denn weder Luther noch ich behaupten zu wissen, was genau Gottes Wort in der Taufe im konkreten Einzelfall wirkt. Genausowenig wie wir wissen, was Gottes Wort in den Hörern einer Predigt im konkreten Einzelfall wirkt. Es ging Luther mit diesem Hinweis lediglich darum, daß die Taufe kein wirkungsloses Zeichen sein kann. Um das einigermaßen zu verstehen, muß man wissen, daß die reformatorische Theologie Taufe und Abendmahl als „verbum visibile“ = sichtbares Wort bezeichnen. Die Wirkmacht ist dabei niemals der äußere Vollzug, sondern immer das Wort bzw. der Heilige Geist, der durch dasselbe wirkt! Ganz im Sinne dessen, was Sie nun in den folgenden Sätzen sagen.

„Durch Wasser und Geist“ ist gerade das Zusammenspiel des Wortes mit dem Heiligen Geist. Er öffnet die Herzen, damit es wie guter Same hineinfallen kann, und verleiht ihm die Kraft, darin aufzukeimen. SO entsteht eine neue Geburt! Nicht durch die Taufe, auch nicht zusätzlich, sondern allein durch das Wort und die Wirkung des Heiligen Geistes. So ist m.E. auch Tit 3,5 zu verstehen, nicht umgekehrt von dort her die übrigen Texte.

Sie haben 1Kor 12,13 nicht angeführt, vmtl. weil Ihnen auch klar ist, dass es dort um die Taufe mit Heiligem Geist oder in den Heiligen Geist hinein geht. Es gibt aber Christen und sogar etliche deutsche und anderssprachige Übersetzungen, die diesen Vers so wiedergeben, als ob auch dort von der (Wasser)Taufe die Rede wäre, allen voran natürlich die katholische Einheitsübersetzung. Dann wäre die Verwirrung komplett. Nein, ein äußeres Ritual kann niemals eine innere Umkehr oder eine innere Verbindung zum Leib Christi bzw. die Integration in diesen hinein bewirken.

Hier muß ich widersprechen: Selbstverständlich ist hier ganz explizit von der Taufe – ebaptisthämen = hineingetauft – die Rede! Um eine Taufe mit oder in den Heiligen Geist hinein geht es hier definitiv und eindeutig nicht. Vers 13 ist korrekt eindeutig zu übersetzen: „denn durch einen Geist sind wir alle in einen Leib hineingetauft“. Der Sinn ist ganz eindeutig derselbe wie oben ausgeführt: die Wirkmacht ist eben nicht der äußere Vollzug der Taufe, sondern der Heilige Geist, der durch das Wort wirkt. Aber die Taufe stellt dies dar als Bundeszeichen und Symbol der Einverleibung in den Leib Christi!

Diese Unterscheidung des inneren Vorgangs von dem äußeren Bekenntnis ist sehr wichtig. Alles, was mit der inneren, geistigen und geistlichen Beziehung zu unserem Herrn zusammenhängt, kann nicht durch ein äußeres Ritual bewirkt erreicht werden, sondern nur durch den Glauben, durch das Wort Gottes (die Heilige Schrift und darauf gegründete Äußerungen) und die lebendige Beziehung zu Christus, die dadurch entsteht oder gefördert wird. Warum ist das so wichtig? Wie es dazwischen IMMER eine Diskrepanz geben wird! Der Leib Christi Man kann sich Mühe geben wie man will: Man wird es nicht zu 100% erreichen, dass beide Aspekte deckungsgleich sind. Es wird immer unechte Gläubige geben, die im besten Wissen und Gewissen getauft werden, weil ihr Zeugnis authentisch klingt (vielleicht hat man sogar ihre Bekehrung miterlebt), später aber zeigen, dass sie nur oberflächlich geglaubt haben. Und es wird – vielleicht weniger, aber doch auch – echte Gläubige geben, die nie getauft werden. Falls die Taufe irgendeine innere Wirkung auf Menschen hat, kann es maximal um das (ggf. erst spätere) Bewusstsein gehen, (äußerlich) zu Christus zu gehören, aber niemals um irgendetwas, das die Bezeichnung „Wiedergeburt“ verdient! Nein und nochmals nein! Das oder so etwas wird ausschließlich durch das Wort und den Heiligen Geist bewirkt.

Aus schon genannten Gründen stimme ich all Ihren im unmittelbar vorausgehenden Absatz gemachten Aussagen vollinhaltlich zu. Wie ich schon sagte: im Grunde sind wir inhaltlich ganz nah beieinander.

Ich bekenne, dass ich diesen Punkt noch nie so klar verstanden habe wie gerade jetzt. Ich fürchte, dass diese Lehre eines der wesentlichen Bausteine der reformatorischen Richtung ist.

Da kann ich Sie zumindest in Teilen beruhigen. Das ist definitiv kein wesentlicher Baustein der tatsächlich reformatorischen Richtung. Die sogenannte „Taufwiedergeburtslehre“, die behauptet, durch den bloßen äußeren Vollzug der Taufe  geschehe die Wiedergeburt oder werde im Täufling Glauben erzeugt, ist eine rekatholisierende Fehlentwicklung, die sich in keiner Weise auf die Reformatoren berufen kann, wie ich in meiner Taufschrift bezüglich Martin Luther eindeutig und mehrfach belegt habe! Lesen Sie dazu bitte nochmals sehr genau Seite 12 „die reformatorische Sicht“ bis Seite 13 oben!

In Facebook bin ich schon öfter auf diverse Probleme gestoßen bei Gläubigen, die diesen Ansatz konsequent vertreten. Bisher kannte ich das nicht näher, aber ich habe den Eindruck, dass ich das eine und andere gerade lerne. Häufig sind gerade sie es, die unnachgiebig auf ihrer Position beharren und „unsere“ Positionen Irrlehren nennen usw. Und dann kann ich nicht anders als von dem mir geschenkten Verständnis her gegenzuhalten. Ich versuche dabei stets, brüderlich-sachlich zu bleiben, da mir die Wirkung der „Brillen“ und Prägungen klar ist und ich niemanden verurteilen will. Natürlich habe auch ich noch meine Brillen, aber oft scheint es kaum möglich, dass überhaupt zum Verständnis durchdringt, dass diese Argumentationen vielleicht die fundierteren sind. Manchmal hat man den Eindruck, dass das gar nicht sein darf, so heftig, wie die Diskussionen teilweise geführt werden.

Ich bedanke mich bei Ihnen für die Darlegungen. Unserer Brüderlichkeit tut das keinen Abbruch, das will ich nochmal betonen. Ich bin weit entfernt davon, Sie in die Ecke eines Irrlehrers zu schieben o.ä. Gerne lese ich auch weiterhin Ihre Impulse und auch Ihre Gebetsinformationen zu der politischen Situation. Ich bin dankbar dafür, dass es auch in landeskirchlichen Bereichen doch noch viele echte Gläubige gibt, v.a. gab, nämlich diejenigen, die wie Sie gegen die haarsträubenden heutigen Entwicklungen mutig, klar und aufrichtig vor dem Herrn Stellung bezogen haben und tatsächlich gegangen sind, weil sie erkannt haben, dass das ganze System so verdorben ist, dass im Grunde nichts mehr zu retten ist. Ja, ich habe auch Ihren Aufsatz über Ihren Weg gelesen und bin tief erschüttert und dankbar zugleich (vielleicht schreibe ich kurz noch etwas dazu; das weiß ich aber noch nicht) über solche treuen Gläubigen und auch Knechte des Herrn, die erkennen, dass der Herr niemals faule Kompromisse segnen wird, und daraus die oft harten Konsequenzen ziehen, aber wiederum erleben, wie er sich dazu bekennt! Preis dem Herrn dafür! Und für Themen wie diese wollen wir gegenseitig die Geduld üben, die der Herr auch mit uns hat. Vielleicht können wir auch noch einiges voneinander lernen und noch weitere Dinge korrigieren, die dem Herrn bei uns nicht gefallen.

In brüderlicher Liebe und ausdrücklicher Hochachtung

Uwe Stötzel

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