Endlich sagt’s Einer

Scharf hat der Erlanger Theologieprofessor Günther R. Schmidt kirchliche Führungskräfte kritisiert. Auf einer Veranstaltung des Gemeindehilfsbundes warf er ihnen „Zeitgeisthörigkeit“ vor. Durch diese hätten sie die christliche Identität vieler evangelischer Landeskirchen so stark beschädigt, „dass man vorsichtigerweise nur noch von Religionsgesellschaften sprechen sollte“.
Das dürfte nach meiner Wahrnehmung das erste Mal sein, daß ein evangelischer Theologieprofessor das in dieser Klarheit ausspricht. Seit Jahren wurden auch angesichts schlimmster Fehlentwicklungen in den sogenannten evangelischen Landeskirchen ausweichende Formulierungen gebraucht. Beispielsweise hieß es: man müsse fragen, ob es sich hier noch um christliche Kirche handelt.
Nun hat wohl das erste Mal ein Theologieprofessor deutlich gesagt: Bei vielen sogenannten evangelischen Landeskirchen handelt es sich in Wirklichkeit längst nicht mehr um christliche Kirchen, sondern um „Religionsgesellschaften“. Vielen Dank Herr Professor Schmidt für das klare Wort. (Sollte ich andere derart deutliche Äußerungen von Theologieprofessoren oder führenden Evangelikalen nicht wahrgenommen oder wieder vergessen haben, bin ich dankbar, wenn in Antworten, am besten mit Quellenangabe, auf diese hingewiesen wird.)
Stellt sich angesichts der klaren Analyse von Professor Schmidt nur noch die Frage: Gibt es eine biblische Berechtigung, daß Christen in nichtchristlichen Religionsgesellschaften Mitglieder sind und bleiben?

Eine Antwort auf „Endlich sagt’s Einer“

  1. Ich habe im Internet krampfhaft versucht, noch einen Theologen zu finden, der ähnlich mutig wie der Erlanger Theologieprofessor Günther R. Schmidt kirchliche Führungskräfte kritisiert und den Niedergang der Kirche angemahnt und kritisiert hat. Allein der Hinweis auf dieTheologie-Professorin Eta Linnemann war zu finden. Dazu ein Bericht, allerdings etwas lang geraten:
    Eta Linnemanns Vermächtnis
    Von Ulrich Skambraks, TOPIC, Kreuztal

    Sie sorgte für Aufsehen mit ihrer radikalen Kehrtwende von einer Verfechterin der historisch-kritischen Bibelauslegung zur entschiedenen Gegnerin: Am 9. Mai 2009 ist die emeritierte Theologie-Professorin Eta Linnemann, Schülerin des Neutestamentlers Rudolf Bultmann (1884-1976), im Alter von 82 Jahren in Leer (Ostfriesland) gestorben.
    Die Bibel war früher für die Theologie-Professorin weder Gottes Wort noch verbindliche Wahrheit. Und in diesem Sinne prägte sie Studierende der Theologie in Braunschweig und Marburg – bis Gott ihr Leben 1977/78 radikal umkrempelte. Linnemann bekehrte sich zu Jesus Christus: Öffentlich und unzweideutig sagte sie sich danach von der historisch-kritischen Theologie los. Sie vernichtete ihre eigenen bibelkritischen Werke, und fortan las sie die Heilige Schrift mit anderen Augen.
    „Nach wie vor erachte ich alles, was ich gelehrt und geschrieben habe, bevor ich Jesus mein Leben übergab, für einen Dreck“, schrieb sie 1985 – und sie bat ihre Leser, dementsprechend ihre früheren Publikationen im Müll zu entsorgen!
    Nach der Bekehrung begann für die zierliche Frau eine rege Lehr- und Vortragstätigkeit. Engagiert, aus eigener persönlicher Erfahrung und aus tiefer Betroffenheit klärte sie über die Konsequenzen bibelkritischer Schultheologie auf. Zur Kritik an einer fundamentalistischen Bibelauslegung sagte Linnemann: „Gefährlich ist es nicht, das irrtumsfreie Wort Gottes wortwörtlich zu nehmen, gefährlich ist es, das nicht zu tun.“
    Diese Überzeugung, zu der sie kompromisslos und entschieden stand, führte in den letzten Jahren zu Konflikten innerhalb der evangelikalen Bewegung im deutschen Sprachraum. Mit Betroffenheit bemerkte sie, dass jüngere evangelikale Theologen mit Elementen und Ideen bibelkritischer Methoden und Theorien sympathisierten. Sie konnte nicht verstehen, dass Pastoren und Älteste von Gemeinden Jugendliche nicht vom Weg an die theologischen Fakultäten staatlicher Universitäten abhielten. Und sie war schockiert, dass evangelikale Verbände, Bibelschulen und Seminare sich mit nicht-christlichen Universitäten verbanden und dabei offensichtlich Kompromisse eingingen.
    Eta Linnemann konnte nicht schweigen – und das aus Verantwortung vor Gott und aus Verantwortung gegenüber der christlichen Gemeinde Sie erkannte, wie namhafte evangelikale Theologen: an einzelnen Stellen auf bibelkritische Methoden hereingefallen waren. Sachlich fundiert und mit Herzblut bezog sie in ihren Publikationen deshalb Stellung z. B. gegen Veröffentlichungen von Prof. Dr. Armin D Baum (Freie Theologische Hochschule/ FTH Gießen), Prof. Dr. Eckhard Schnabel (Trinity Evangelical Divinity School, Chicago/USA) und Dr. Heinzpeter Hempelmann (Theologisches Seminar Liebenzell).
    Als es dann erste Anzeichen dafür gab, dass die Freie Theologische Akademie (FTA) Gießen in Zusammenhang mit dem Anerkennungsverfahren als Hochschule ihr Bekenntnis zur Irrtumslosigkeit der Bibel abschwächen würde, da wandte sie sich noch einmal warnend an deren Rektor Prof. Dr. Helge Stadelmann.
    Wie Eta Linnemann dem Herausgeber von TOPIC im letzten Jahr erzählte, habe ihr Gott bei ihrer angegriffenen Gesundheit noch einmal eine Woche lang „besondere Kräfte“ geschenkt, um der Leitung der FTA klar zu machen, auf welchem gefährlichen Abweg sie sich befinde, nachdem sie das klare und eindeutige FTA-Glaubensbekenntnis von 2004 verändert habe. Die FTA hatte im Zuge des staatlichen Anerkennungsverfahrens 2007 (staatliche Anerkennung als FTH Oktober 2008) ein neues Bekenntnis vorgelegt.
    In einem über 10-seitigen Schreiben listete Linnemann akribisch auf, wo es aus ihrer Sicht zu Dammbrüchen gegenüber der 2004er Version gekommen war. So stand 2004 noch folgender Passus im FTA-Bekenntnis: „Die Heilige Schrift hat als Gottes eigenes Wort, das von Menschen geschrieben wurde, die vom Heiligen Geist zugerüstet und geleitet wurden, in allen Fragen, die sie anspricht, göttliche Autorität: Ihr muss als Gottes Unterweisung in allem geglaubt werden, was sie bekennt; ihr muss als Gottes Gebot gehorcht werden, in allem, was sie fordert; sie muss als Gottes Unterpfand in allem ergriffen werden, was sie verheißt.“
    In der 2007er Version lautet dies so: „Die Schriften, in denen dieses prophetische und apostolische Gotteswort aufgezeichnet wurde, gelten mit Recht als heilige Schriften, die von Gott inspiriert sind, durch die Gottes Geist redet und die Glauben verdienen. Diese Schriften bilden den Kanon des Alten und Neuen Testaments.“
    Linnemanns Kommentar dazu: „Die klare Aussage wird verwässert. An die Stelle von Gottes eigenem Wort‘ tritt das ´prophetische und apostolische Gotteswort‘. Gott wird nicht mehr erlaubt, als Subjekt zur Sprache zu kommen. Die Schriften sind nicht mehr, sondern sie gelten nur noch als heilige Schriften; dass sie von Gott inspiriert sind, dass Gottes Geist durch sie redet und dass sie Glauben verdienen, ist unter diesen subjektiven (= persönlichen) Vorbehalt gestellt. Die subjektivierende Redeweise entspricht voll und ganz den historisch-kritischen Gepflogenheiten.“
    Ein anderes Beispiel: In der Bekenntnisfassung von 2004 findet sich folgende Überzeugung: „Die Autorität der Schrift wird unausweichlich beeinträchtigt, wenn diese völlige göttliche Inspiration in irgendeiner Weise begrenzt oder missachtet oder durch eine Sicht der Wahrheit, die der Sicht der Bibel von sich selbst widerspricht, relativiert wird. Solche Abweichungen führen zu ernsthaften Verlusten sowohl für den einzelnen, als auch für die Kirche.“
    Ein entsprechender Passus fehlt in der 2007er Fassung. Dafür findet sich folgendes: „Die Heilige Schrift ist dem Glauben und dem forschenden Verstand in Gestalt sprachlichgeschichtlichen Menschenwortes gegeben. Um zu verstehen, was Gott sagen will, muss der Ausleger ermitteln, was die biblischen Schriftsteller wirklich sagen wollten.“
    Eta Linnemann schreibt zu dieser Betrachtungsweise: „Das Bekenntnis, dass der Heilige Geist die Schrift sowohl durch sein inneres Zeugnis beglaubigt, als auch, indem er unseren Verstand erleuchtet, wurde verworfen und an ihrer Stelle das Grunddogma der historisch-kritischen Theologie gesetzt, dass nur der professionelle Ausleger in der Lage ist, zu ermitteln, was die Schrift sagt, indem er die Frage stellt, was der Autor seinen ursprünglichen Lesern sagen wollte. Den Heiligen Geist braucht er dazu nicht.“ Fazit: Gottes Wort wird begrenzt und relativiert.
    Folgerichtig fehlt auch ein Passus in der 2007er Fassung komplett, der 2004 so niedergeschrieben wurde: „Der Heilige Geist, der göttliche Autor der Schrift, beglaubigt sie sowohl durch sein inneres Zeugnis, als auch, indem er unseren Verstand erleuchtet, um ihre Botschaft zu verstehen.“
    Linnemann schreibt weiter dazu: „ .:. als ob Gott nicht in der Lage wäre, sich auch heute durch sein Wort selbst in einer mangelhaften Übersetzung einem Menschen zu offenbaren. Damit soll keine schlechte Übersetzung gerechtfertigt werden … Die Heilige Schrift ist nicht nur das Zeugnis seiner Offenbarung. Gott selber offenbart sich heute noch durch sie. Wir sind nicht angewiesen auf die kritischen Operationen einer Theologenzunft, für die durch die neue Formulierung Raum geschaffen wird.“
    Linnemann bringt ihre Erkenntnis in Bezug auf den Vergleich der FTA Bekenntnisse aus 2004 und 2007 ziemlich unverblümt und messerscharf auf den Punkt: „Die Unterschiede zwischen beiden Fassungen sind so stark, dass man sagen muss: Was 2004 bekannt wurde, wird 2007 verleugnet. Was man 2004 mit Empörung zurückgewiesen hätte, wird 2007 als Glaubensgrundlage vorgelegt.“ Quelle: Topic Nr. 6/2009, mit freundlicher Genehmigung.

    Aus: DER SCHMALE WEG Nr. 2 / 2009, Seite 28-30
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