Hat die Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ nun einen neuen Vorsitzenden oder nicht?

Im Juni-Informationsbrief der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ wird nun kundgetan, was mit auffälliger Verspätung am 16.5. in idea zu lesen war: am 30.April 2016 hat der Bundesarbeitskreis der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ den bisherigen kommissarischen Vorsitzenden Pfarrer Johannes Frey aus Stuhr bei Bremen zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt.

So weit. So gut! Ich habe mich allerdings schon damals gefragt: Warum steht das erst 16 Tage später auf der Internetseite von idea?

Nun macht mich eine Formulierung im genannten aktuellen Informationsbrief  ganz besonders stutzig. Da heißt es zu dieser Mitteilung über die Wahl des neuen Vorsitzenden Johannes Frey: „Er tritt damit in gewisser Weise die Nachfolge von Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt aus Filderstadt an…“ (Hervorhebung im Zitat von mir).

Da frage ich mich: Ja tritt Johannes Frey nun die Nachfolge von Hansfrieder Hellenschmidt als 1.Vorsitzender an oder nicht?

Wieso „in gewisser Weise“?

In welcher Weise soll er diese Nachfolge denn nicht antreten?

Ist diese Formulierung ein Versuch des Schriftleiters, also der „Redaktion“ des Informationsbriefs, den neuen 1. Vorsitzenden von vorneweg zu disqualifizieren als jemand, der eben nur „in gewisser Weise“, also strebend sich bemühend, aber niemals vollwertig und umfassend, diese Nachfolge des großen ersten Vorsitzenden antreten kann?

Da ich den Schriftleiter, also die „Redaktion“, persönlich kenne, weiß ich, daß er sehr wohl weiß, was er formuliert und was nicht. Bis zum Erweis des Gegenteils erscheint mir deshalb keine andere Deutung naheliegend.

Ich wünsche deshalb Johannes Frey, den ich ebenfalls persönlich kenne, umso mehr den Segen und die Bewahrung des Herrn. Er wird Beides dringend brauchen!

Und die deutsche Christenheit bräuchte dringend wieder eine Bekenntnisbewegung, die sich nicht in internen Machtkämpfen und Intrigen weitgehend geistlich lahmlegt und zerfleischt, sondern in geistlicher Einmütigkeit und Wahrhaftigkeit der Aufgabe nachkommt, zu der sie einst von Gott berufen war.

9 Antworten auf „Hat die Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ nun einen neuen Vorsitzenden oder nicht?“

    1. Lieber Baldur, vielen Dank für den Link. Die Frage des Titels war eher rhetorisch gemeint. Daß Johannes Frey formal als 1.Vorsitzender gewählt und als solcher ja auch öffentlich bekannt gegeben wurde, das dürfte zweifelsfrei sein. Wie weit er neben Walter Rominger wirklich 1.Vorsitzender sein darf und will, scheint die andere Frage zu sein. Denn letztgenannter dürfte als Schriftführer des Informationsbriefs der Autor des Beitrags sein, der Johannes Frey nur „in gewisser Weise“ die Nachfolge von Hansfrieder Hellenschmidt zugesteht.

  1. Lieber Jakob Tscharntke,
    vielen Dank für deinen Beitrag, der ein Schlaglicht auf die Situation und Verfassung der Bekenntnisbewegung wirft. Nach etwa 50 Jahren hoffe ich trotzdem noch auf die „zweite Luft“ für die Bekenntnisbewegung.
    Aber ich denke, daß dein Beitrag in die Situation vieler Gemeinden, Verbände etc. hineinspricht und auch ich selbst mir immer wieder den Spiegel vorhalten muß mit der Bitte an Jesus, mich zu bremsen, wenn ich es selbst nicht kann. Ja, es ist wirklich ein Problem mit dem Mund-halten-können und dem in die zweite Reihe zurücktreten können bzw. dort zu sein. Oft ist ein sich selbst für unersetzlich und unentbehrlich halten, nur Ausdruck eines mangelnden Vertrauens in den Herrn Jesus, häufig gepaart mit dem nur gering ausgerägten Vermögen, einen Timotheus auszubilden. Wer dem Nachfolger nicht die Möglichkeit läßt, eigene Fehler zu machen und die Zeit und die Hilfestellung gibt, daraus zu lernen, kann entmutigen, denn wer ist schon am Anfang perfekt? Wer selbst nicht in der Lage ist, auch einmal in die zweite Reihe zurückzutreten, ist vielleicht nur ein Kontrollfreak. Niemand muß in den Fußstapfen seines Vorgängers gehen oder an ihm gemessen werden. Das ist entspannend und u.U. entkrampfend. Dankbarkeit, Demut und Gelassenheit sollen uns in vielen Situationen auszeichnen. Wir sollen Jesus nachfolgen und in dem, was wir als unseren persönlichen Auftrag erkannt haben, treu sein.
    Natürlich vertraue ich deinem Urteil, da du die Personen und die Bekenntnisbewegung kennst. Trotzdem hoffe ich, daß weniger dahinter ist, als es scheinen mag.
    Mal was anderes: War das nicht ein guter Leserbrief von Wolfgang Bühne im aktuellen idea-spektrum? – Evangelisch durch und durch. Schade finde ich oft die großen Überschriften zu den Leserbriefen. Damit wird gelegentlich fast schon kommentiert.

    1. Lieber Thomas, wie viel hinter dieser Formulierung an sich steckt, da muß man sicher vorsichtig sein. In der Sache selbst steckt sehr viel mehr dahinter, was ich nur allgemein angedeutet habe. Daß nämlich Johannes Frey der Nachfolger von Hansfrieder Hellenschmidt sei, das stimmt so gar nicht. Denn er ist der Nachfolger von Pfarrer Friedemann Schwarz, der nach dem Rücktritt von Hansfrieder Hellenschmidt vom Bundesarbeitskreis zum 1.Vorsitzenden gewählt worden war. Allerdings wurde er, wohl von den Seilschaften, die Hansfrieder Hellenschmidt in der Bekenntnisbewegung installiert hat und mit dessen Rückendeckung, wieder abgesägt. Daß er im Bericht in idea erwähnt wird, im Bericht des Informationsbriefs dagegen unterschlagen wird, wirft ein weiteres Licht auf diese Vorgänge. Friedemann Schwarz, der meines Erachtens, ich kenne ihn allerdings nur wenig, ein sehr guter Vorsitzender gewesen wäre, wird einfach totgeschwiegen!
      Ich will hier gar nicht weiter ins Detail gehen. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, welche unglaublichen Machtkämpfe und Intrigen in der Bekenntnisbewegung allein in den letzten 8 – 10 Jahren stattgefunden haben. Man könnte Bände füllen mit den Unsäglichkeiten, die sich da ereignet haben. Leider. Mein Beitrag sollte vor allem eine Mahnung an die Verantwortlichen der Bekenntnisbewegung sein, diese Zeit der Intrigen und Machtkämpfe endlich hinter sich zu lassen. Und das geschieht nicht, indem man den neuen 1.Vorsitzenden bereits in der Vorstellung durch herabwürdigende Formulierungen in seinem Amt in Frage stellt und beschädigt.

  2. Lieber Jakob,

    wenn es also bei der Bekenntnisbewegung so aussieht wie Du es beschrieben hast, dürfte es am Besten sein, man schlägt einen großen Bogen um den Verein mit diesem Tohuwabohu .

    1. Lieber Baldur, solange sich die Bekenntnisbewegung nicht personell, vor allem im Geschäftsführenden Ausschuss, neu aufgestellt hat, dürfte dies richtig sein. Leider hat der Bundesarbeitskreis seine Verantwortung, die ihm in der Satzung zugewiesen ist, so kaum jemals wahrgenommen. Auch nicht, als dies in den letzten Jahren für den Erhalt der Bekenntnisbewegung existentiell nötig gewesen wäre. Hier rächt sich, daß mindestens ein langjähriger Vorsitzender wie ein Despot über die Bekenntnisbewegung geherrscht hat. So hat der Bundesarbeitskreis nie gelernt, vom Geschäftsführenden Ausschuss Rechenschaft einzufordern oder diesem auch nur kritisch auf die Finger zu sehen, selbst wenn Dinge erkennbar und dramatisch aus dem Ruder gelaufen waren. Es ist ein Drama, denn gerade in diesen Tagen wäre ein starke Bekenntnisbewegung mit einer lebenden Verzahnung mit den bibeltreuen Gemeinden vor Ort ganz besonders wichtig. Aber bis auf den Informationsbrief ist sie im Grunde längst gestorben.

      1. Lieber jakob Tscharntke,
        die Dinge, die du hier beschreibst, sind in unseren christlichen Kreisen leider sehr weit verbreitet und ein wirkliches, echtes Drama. Aus meinem Gemeinschaftsverband und meiner Gemeinschaft kenne ich das nur zu „gut“. Wie ich es erlebe, gibt es eine Scheu, Kritik zu äußern und auch mal Schuld zu benennen, sogar wenn das auf eine christliche Weise geschähe. Aus einer falsch verstandenen Liebe heraus (?) darf niemand beschädigt werden und es geht in Diskussionen, die dann und wann doch einmal hochkommen, fast nie um die Tatsachen, Fakten und die Wahrheit, sondern um eine Art von Fraktionszugehörigkeit, die Reihen fest geschlossen zu halten und nur ja nichts nach draußen dringen zu lassen. Dieses Konsensprinzip läßt jeden Andersdenkenden und -handelnden als Abweichler dastehen, der mindestens das Zeug zum potentiellen Verräter und Nestbeschmutzer hat.
        Zwölf Jahre nach meinem Gemeinschaftsausschluß konnte sich niemand mehr erinnern, ob der Prediger den Vorstand mit der Drohung, sich selbst versetzen zu lassen, falls ich nicht ausgeschlossen werde, erpreßt hat; die relevanten Protokolle darf ich nicht einsehen; ein Gespräch im Rahmen eines Treffens zwischen dem neuen Vorstand und mir fand nicht statt; die Angelegenheit wird vom neuen Vorstand als verjährt angesehen; auf eine weitere schriftliche Äußerung hat man angekündigt, nicht mehr zu reagieren; ich solle doch bedingungslos vergeben usw. In den wiederum vergangenen sechs Jahren ist der Prediger, der meinen Ausschluß betrieben hat, aus einem Teilbezirk seines nächsten Dienstortes weggelobt worden. Hinter vorgehaltener Hand soll es geheißen haben: Wir freuen uns auf die Vakanz. Und das will schon einiges heißen, kann aber auch eine geistliche Frischzellenkur für die kleine Gemeinschaft gewesen sein. Ein paar gute Dinge gab es jedenfalls zu hören. Ein gutes Jahr später kam es im anderen Teilbezirk zum großen Knall: Der Prediger war mit dem ganzen Vorstand überkreuz geraten und forderte den Vorstand auf, geschlossen zurückzutreten. Er wollte den Vorstand dann kommissarisch weiterführen und mit neuen Leuten besetzen. Das war dem Landesvorstand dann zuviel und er versuchte, den Prediger zu kündigen. Er verhielt sich aber unter dem arbeitsrechtlichen Blickwinkel sehr unklug, sodaß man nach der Mediation keinen anderen Ausweg sah, als einen Burgfrieden zu schließen, in welchen beide ihr Gesicht wahren konnten und gleichzeitig etwas Schuld zugeben mußten. Also ein falscher, unehrlicher Kompromisfrieden bei dem Allen wohl und Niemandem wirklich wehe getan wurde. Einen zweiten Arbeitsgerichtsprozeß zu verlieren, wollte niemand im Vorstand mehr riskieren, denn dann wären Köpfe gerollt. In meiner Gemeinschaft hat man sich in diesem Zusammenhang „natürlich“ nicht an meinen Ausschluß erinnert und etwas unternommen, obwohl ich mit dem Vorsitzendem – meinem leiblichen Bruder – über die Angelegenheit sprach und die wesentlichen Informationen auch von ihm habe
        Lieber Jakob Tscharntke, natürlich ist das nur zweite oder dritte Liga, verglichen mit den Aufgaben und Möglichkeiten der Bekenntnisbewegung, und doch ist es ein Gemeinschaftsverband, der nicht ordentlich im Geiste Jesu geführt wird. Viele der ablaufenden Prozesse sind die gleichen. In einer Mischung aus Opportunismus und Gesinnungsethik steht man auf der „richtigen“ Seite und wenn was nicht ganz koscheres passiert, schaut man mal beschämt-befremdet weg, bis sich das eigene Gewissen wieder berappelt hat – und vielleicht wieder ein Stück weiter abgestumpft ist. Gruppendynamische Prozesse mit ihren unausgesprochenen-uneingestandenen Fraktionszwang kenne ich aus meiner kurzen Zeit in einem Kreisleichtathletikverband. Wenn ich mich daran erinnere, dann weiß ich, daß ich mich keinesfalls über andere erheben darf, was aber nicht ausschließt, trotzdem Dinge als falsch oder richtig, gut oder schlecht zu beurteilen. Die Arbeit und Entwicklung der Bekenntnisbewegung mit ihren Möglichkeiten und Grenzen sollte dem Netzwerk für Bibel und Bekenntnis Vorbild und Mahnung zugleich sein. Hier steht und fällt aus meiner Sicht alles mit der empfohlenen Literatur, den guten Informationen und lebendigen Tagungen, und zwar in dieser Reihenfolge. Hier wäre ein Wolfgang Bühne oder jemand von seinem Format ein wichtiger Kristallisationspunkt, Motor und Multiplikator, wie ich auf idea bereits schrieb. U.a. wegen der Pastorenlastigkeit des Netzwerkes sehe ich deren Potential aber mittelfristig als begrenzt an, zumal seit dem 23.01. zwar schon etwas passiert ist, aber eine richtige Entwicklung noch nicht erkennbar ist.

        1. Lieber Thomas, zum Thema Vergebung habe ich ja mehrere Predigten gehalten, die auch unter „Aktuelle Themen“ als Orientierungen zu finden sind. Da bin ich genau auf diesen Mißbrauch von „Vergebung“ eingegangen. Von solchen Leuten und Gruppen, wie Du es hier beschreibst, halte ich mich seit Jahren in zunehmender Konsequenz fern. Solche Unwahrhaftigkeit ist dem Herrn ein Greuel – siehe auch die Gedanken der heutigen Gebetsinitiative zum Gebot „Du sollst kein falsch Zeugnis reden wieder deinen Nächsten“. Weil eine solche Unwahrhaftigkeit nicht nur ein einzelnes Tatverhalten, sondern ein Charakterproblem darstellt und meines Erachtens auch ein ernstes Indiz für das Fehlen des Heiligen Geistes, kann man für solche Menschen noch beten, wenn man das als Aufgabe ansieht. Aber Gemeinschaft haben will ich mit diesen Menschen nicht mehr. Ich befehle sie der Gnade Gottes an oder übergebe sie in schlimmeren Fällen an Satan – einmal bisher geschehen, als dessen Werkzeuge sie sich dann herauskristallisieren. Solche Unwahrhaftigkeit und Heuchelei darf in der Gemeinde Jesu keinen Platz haben, ganz egal wo!

          Im Blick auf das Netzwerk Bibel und Bekenntnis teile ich Deine Befürchtungen. Kirchenleute schaffen allen Worten zum Trotz in der Regel keine klare und überzeugende und dauerhafte Distanz zu Fehlentwicklungen und falschen Brüdern, solange sie sich nicht selbst von der Kirche trennen. Sie bleiben im gleichen Laden und sind auf die Dauer immer zu ungeistlichen Kompromissen genötigt.

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